Was ein AAD macht
Ein Automatic Activation Device ist ein kleiner Rechner mit Drucksensor, der im Container neben dem Reserveschirm sitzt. Er misst laufend den Luftdruck, rechnet daraus Höhe über Grund und Sinkgeschwindigkeit und vergleicht beides mit hinterlegten Grenzwerten. Wird die Sicherheitshöhe unterschritten, während die Sinkgeschwindigkeit noch im Bereich des freien Falls liegt, durchtrennt eine kleine pyrotechnische Ladung die Verschlussschlaufe des Reservecontainers. Die Reserve öffnet.
| Parameter | Typischer Wert (Sportversion) |
|---|---|
| Auslösehöhe | rund 225 Meter über Grund |
| Auslösegeschwindigkeit | ab etwa 35 Meter pro Sekunde Sinken |
| Nullpunkt | wird beim Einschalten am Boden gesetzt |
| Selbsttest | bei jedem Einschalten |
Die Werte unterscheiden sich je nach Version: Schülergeräte lösen höher aus, Tandemgeräte sind auf das schwerere System abgestimmt, Swoop-Versionen tiefer und mit anderen Schwellen. Verbreitete Systeme sind Cypres, Vigil und Argus.
Warum die Grenzwerte so gewählt sind
Beide Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein – und das ist der springende Punkt. Ein Springer, der unter offener Kappe durch 225 Meter fliegt, sinkt mit vier bis sechs Metern pro Sekunde und liegt damit weit unter der Schwelle. Nur wer in dieser Höhe noch mit Freifallgeschwindigkeit unterwegs ist, hat ein Problem: Bewusstlosigkeit nach einer Kollision, Höhenverlust bei einer Fehlfunktion, Ablenkung.
Die Auslösehöhe ist bewusst niedrig. Höher wäre gefährlicher, weil ein Springer, der noch selbst öffnet, sonst mit zwei offenen Kappen gleichzeitig fliegen könnte – eine der unangenehmsten Situationen überhaupt.
Was ein AAD nicht ist
Kein Ersatz für Höhenkontrolle. Das Gerät greift am Ende einer Kette ein, die mit dem Blick auf den Höhenmesser beginnt: eigene Öffnung, dann Notverfahren, dann Entscheidungshöhe – und erst danach der Automat. Wer sich auf ihn verlässt, hat die drei Stufen davor bereits versäumt. Die Verfahren dazu stehen unter Sicherheit, die Höhenkontrolle unter Freifall-Technik.
Bedienung und Wartung
- Einschalten am Sprungplatz. Der Nullpunkt wird auf der Höhe des Landefeldes gesetzt. Wer auf einem anderen Platz landet, muss die Höhendifferenz kennen.
- Bergsprungplätze und Aussenlandungen. Liegt das Landefeld deutlich höher als der Startplatz, wird der Offset am Gerät eingestellt – sonst rechnet es mit dem falschen Boden.
- Batterie und Wartung. Herstellerintervalle für Batteriewechsel und Kontrolle sind einzuhalten. Sie sind kein Richtwert, sondern Bedingung für die Zulassung.
- Lebensdauer. Gängige Geräte haben eine begrenzte Nutzungsdauer, danach ist Schluss. Beim Gebrauchtkauf ist die Restlaufzeit ein harter Preisfaktor, siehe Gebrauchtkauf.
Wo ein AAD Pflicht ist
In der Ausbildung und beim Tandemspringen ist ein Öffnungsautomat vorgeschrieben; viele Sprungplätze verlangen ihn generell. Für erfahrene Springer ist er in manchen Ländern formal freiwillig – praktisch springt kaum jemand ohne. Seit Einführung der ersten Geräte Anfang der 1990er-Jahre werden jedes Jahr Auslösungen dokumentiert, bei denen der Springer selbst nicht mehr reagieren konnte.
Und wenn es doch auslöst, obwohl alles in Ordnung ist?
Fehlauslösungen sind selten und gehen fast immer auf Bedienfehler zurück – falscher Nullpunkt, ein sehr steiler Schirmflug mit hoher Sinkrate in geringer Höhe, oder ein Gerät, das nicht am Sprungplatz eingeschaltet wurde. Deshalb gehört das AAD zum Pin Check vor dem Einsteigen: eingeschaltet, richtige Version, plausible Anzeige.
Häufige Fragen
Löst ein AAD auch aus, wenn der Hauptschirm offen ist?
Nein, weil die Sinkgeschwindigkeit unter einer offener Kappe weit unterhalb der Auslöseschwelle liegt. Nur ein sehr steiler Sturzflug in geringer Höhe kann diese Schwelle erreichen – ein Grund, warum aggressive Landeanflüge Erfahrung erfordern.
Wie lange hält ein Öffnungsautomat?
Gängige Geräte haben eine festgelegte Nutzungsdauer im Bereich von gut einem Jahrzehnt, mit Wartungsintervallen dazwischen. Danach werden sie ausgemustert.
Ersetzt das AAD den Reservegriff?
Nein. Es ist die letzte Instanz, nicht die erste. Die Reihenfolge bleibt: rechtzeitig selbst öffnen, bei Fehlfunktion nach Verfahren trennen und Reserve ziehen.