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SicherheitAktualisiert am 3. Aug. 2026·6 Min. Lesezeit

Wie funktioniert ein automatisches Öffnungssystem?

Das AAD ist das einzige Bauteil im System, das eine Entscheidung trifft. Es greift genau dann ein, wenn der Springer dazu nicht mehr in der Lage ist.

Was ein AAD macht

Ein Automatic Activation Device ist ein kleiner Rechner mit Drucksensor, der im Container neben dem Reserveschirm sitzt. Er misst laufend den Luftdruck, rechnet daraus Höhe über Grund und Sinkgeschwindigkeit und vergleicht beides mit hinterlegten Grenzwerten. Wird die Sicherheitshöhe unterschritten, während die Sinkgeschwindigkeit noch im Bereich des freien Falls liegt, durchtrennt eine kleine pyrotechnische Ladung die Verschlussschlaufe des Reservecontainers. Die Reserve öffnet.

ParameterTypischer Wert (Sportversion)
Auslösehöherund 225 Meter über Grund
Auslösegeschwindigkeitab etwa 35 Meter pro Sekunde Sinken
Nullpunktwird beim Einschalten am Boden gesetzt
Selbsttestbei jedem Einschalten

Die Werte unterscheiden sich je nach Version: Schülergeräte lösen höher aus, Tandemgeräte sind auf das schwerere System abgestimmt, Swoop-Versionen tiefer und mit anderen Schwellen. Verbreitete Systeme sind Cypres, Vigil und Argus.

Warum die Grenzwerte so gewählt sind

Beide Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein – und das ist der springende Punkt. Ein Springer, der unter offener Kappe durch 225 Meter fliegt, sinkt mit vier bis sechs Metern pro Sekunde und liegt damit weit unter der Schwelle. Nur wer in dieser Höhe noch mit Freifallgeschwindigkeit unterwegs ist, hat ein Problem: Bewusstlosigkeit nach einer Kollision, Höhenverlust bei einer Fehlfunktion, Ablenkung.

Die Auslösehöhe ist bewusst niedrig. Höher wäre gefährlicher, weil ein Springer, der noch selbst öffnet, sonst mit zwei offenen Kappen gleichzeitig fliegen könnte – eine der unangenehmsten Situationen überhaupt.

Was ein AAD nicht ist

Kein Ersatz für Höhenkontrolle. Das Gerät greift am Ende einer Kette ein, die mit dem Blick auf den Höhenmesser beginnt: eigene Öffnung, dann Notverfahren, dann Entscheidungshöhe – und erst danach der Automat. Wer sich auf ihn verlässt, hat die drei Stufen davor bereits versäumt. Die Verfahren dazu stehen unter Sicherheit, die Höhenkontrolle unter Freifall-Technik.

Bedienung und Wartung

Wo ein AAD Pflicht ist

In der Ausbildung und beim Tandemspringen ist ein Öffnungsautomat vorgeschrieben; viele Sprungplätze verlangen ihn generell. Für erfahrene Springer ist er in manchen Ländern formal freiwillig – praktisch springt kaum jemand ohne. Seit Einführung der ersten Geräte Anfang der 1990er-Jahre werden jedes Jahr Auslösungen dokumentiert, bei denen der Springer selbst nicht mehr reagieren konnte.

Und wenn es doch auslöst, obwohl alles in Ordnung ist?

Fehlauslösungen sind selten und gehen fast immer auf Bedienfehler zurück – falscher Nullpunkt, ein sehr steiler Schirmflug mit hoher Sinkrate in geringer Höhe, oder ein Gerät, das nicht am Sprungplatz eingeschaltet wurde. Deshalb gehört das AAD zum Pin Check vor dem Einsteigen: eingeschaltet, richtige Version, plausible Anzeige.

Häufige Fragen

Löst ein AAD auch aus, wenn der Hauptschirm offen ist?

Nein, weil die Sinkgeschwindigkeit unter einer offener Kappe weit unterhalb der Auslöseschwelle liegt. Nur ein sehr steiler Sturzflug in geringer Höhe kann diese Schwelle erreichen – ein Grund, warum aggressive Landeanflüge Erfahrung erfordern.

Wie lange hält ein Öffnungsautomat?

Gängige Geräte haben eine festgelegte Nutzungsdauer im Bereich von gut einem Jahrzehnt, mit Wartungsintervallen dazwischen. Danach werden sie ausgemustert.

Ersetzt das AAD den Reservegriff?

Nein. Es ist die letzte Instanz, nicht die erste. Die Reihenfolge bleibt: rechtzeitig selbst öffnen, bei Fehlfunktion nach Verfahren trennen und Reserve ziehen.

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