Flächenbelastung schlägt Modellname
Die zentrale Kennzahl heisst Wingloading: Ausstiegsgewicht geteilt durch Kappenfläche, üblicherweise in Pfund pro Quadratfuss. Sie beschreibt, wie stark die Kappe belastet ist – und damit, wie schnell sie fliegt, wie eng sie dreht und wie wenig Zeit im Endanflug für Korrekturen bleibt.
| Wingloading | Charakter | Sinnvoll ab |
|---|---|---|
| unter 0,8 | sehr gutmütig, langsam, grosse Reserven | Schulung |
| 0,8 – 1,0 | fehlerverzeihend, ausreichend Steuerreserve | erste eigene Kappe |
| 1,0 – 1,3 | merklich schneller, weniger Fehlertoleranz | nach einigen hundert Sprüngen |
| über 1,3 | hohe Geschwindigkeit, kurze Reaktionszeit | erfahrene Springer mit Kappenkurs |
Rechenbeispiel: 85 kg Ausstiegsgewicht sind rund 187 Pfund. Auf einer Kappe mit 210 Quadratfuss ergibt das eine Belastung von etwa 0,89 – ein sinnvoller Bereich für die erste eigene Kappe. Dieselbe Person auf 150 Quadratfuss läge bei 1,25, und damit deutlich zu hoch.
Ausstiegsgewicht heisst: Körpergewicht plus komplettes System plus Kleidung und Helm. Das sind schnell 12 bis 15 Kilogramm mehr als der Wert auf der Waage.
Warum kleiner nicht besser ist
Eine kleinere Kappe fliegt schneller, dreht enger und sieht in Videos beeindruckender aus. Sie verkürzt aber jede Reaktionszeit – und Landeunfälle passieren fast nie im freien Fall, sondern in den letzten 100 Metern. Der verbreitete Rat, die Kappengrösse in Schritten und über hunderte Sprünge zu reduzieren, ist kein Vorsichtsritual, sondern die direkte Konsequenz der Unfallstatistik, siehe Sicherheit.
Bauart für den Einstieg
- Grundriss: rechteckig oder leicht konisch, nicht elliptisch.
- Zellen: sieben Zellen sind besonders gutmütig, neun Zellen mit konservativer Trimmung sind ebenfalls verbreitet.
- Material: nullporös hält die Leistung länger, luftdurchlässig öffnet weicher. Beides ist als Einsteigerkappe gebräuchlich.
- Öffnungsverhalten: das wichtigste Kriterium überhaupt – eine Kappe mit Ruf für harte oder unruhige Öffnungen gehört nicht an den Anfang.
Die Unterschiede zwischen den Bauarten erklärt Fallschirmtypen und ihre Vorteile.
Container und Reserve gehören dazu
Eine Kappe allein nützt nichts. Container, Hauptschirm und Reserveschirm müssen in Grösse und Zulassung zueinander passen – das entscheidet nicht der Verkäufer, sondern ein Fallschirmtechniker. Ein zu grosser Hauptschirm im zu kleinen Container packt sich schlecht und öffnet schlechter; ein zu kleiner sitzt lose und kann Probleme beim Auszug machen.
Gebrauchtkauf: die Prüfliste
- Alter und Zustand der Reserve. Der teuerste versteckte Posten. Reservekappen haben eine begrenzte Lebensdauer, und ein Austausch kostet vierstellig.
- Restlaufzeit des Öffnungsautomaten. Geräte haben eine feste Nutzungsdauer und Wartungsintervalle, siehe AAD.
- Sprungzahl des Hauptschirms. Nicht die einzige, aber eine ehrliche Kennzahl. Dazu Zustand von Gewebe, Leinen und Slider.
- Passform des Gurtzeugs. Ein Container ist auf eine Körpergrösse geschnitten. Umarbeiten ist möglich, kostet aber und ist nicht bei jedem Modell sinnvoll.
- Papiere. Nachprüfkarten, Prüfsiegel, lückenlose Historie. Fehlen sie, ist der Preis egal.
- Freigabe durch den Fallschirmtechniker vor dem Kauf, nicht danach.
Was das kostet
Ein solides gebrauchtes Einsteigerset liegt bei rund 3.000 bis 4.500 Euro, neu bei 6.000 bis 8.000. Die Einzelpreise stehen unter Kosten. Wer unsicher ist, mietet in der ersten Saison weiter am Sprungplatz – das ist teurer pro Sprung, aber deutlich billiger als eine falsch gekaufte Ausrüstung.
Häufige Fragen
Welche Kappengrösse brauche ich als Anfänger?
So gross, dass die Flächenbelastung unter 1,0 bleibt. Bei rund 85 kg Ausstiegsgewicht bedeutet das etwa 210 Quadratfuss oder mehr. Die konkrete Empfehlung gibt der Lehrer, der die Landungen gesehen hat.
Soll ich neu oder gebraucht kaufen?
Gebraucht ist bei der ersten Kappe die Regel – Einsteigergrössen werden ohnehin nach ein bis zwei Saisons weiterverkauft. Entscheidend ist die Freigabe durch einen Fallschirmtechniker.
Wann kann ich auf eine kleinere Kappe wechseln?
Nicht nach Sprungzahl allein, sondern nach nachgewiesenem Können: konstante Landungen auf den Punkt, sichere Landeeinteilung, beherrschte Notlandeverfahren. Ein Kappenkurs vor jedem Grössenschritt ist die sinnvollste Investition im Sport.