Der Aufbau in fünf Teilen
- Gurtzeug und Container. Das Tragesystem am Körper mit dem Rückenteil, in dem beide Kappen getrennt verpackt sind. Muss auf Körpergrösse und Gewicht passen; ein zu grosses Gurtzeug rutscht beim Öffnungsschock.
- Hauptschirm. Der Flächenschirm, der bei jedem Sprung geöffnet wird. Der Springer packt ihn selbst, sobald er die Packberechtigung hat.
- Reserveschirm. Getrennt verpackt, eigene Auslösung, eigene Prüfintervalle. Gepackt ausschliesslich von einem Fallschirmtechniker.
- Öffnungsautomat (AAD). Löst die Reserve aus, wenn der Springer unterhalb einer Sicherheitshöhe noch zu schnell fällt – siehe automatisches Öffnungssystem.
- Instrumente und Schutz. Höhenmesser, akustischer Warner, Helm, Brille, Sprungkombi.
Wie die Öffnung technisch abläuft
Der Springer wirft den Hilfsschirm aus der Tasche an der Containerunterseite. Der Hilfsschirm fängt Luft, zieht über die Verbindungsleine den Verschlussstift aus der Schlaufe und holt den Packsack heraus. Die Leinen strecken sich, die Kappe kommt aus dem Sack, und der Slider – ein rechteckiges Stoffteil auf den Leinen – gleitet langsam nach unten und bremst dabei die Entfaltung. Ohne Slider wäre der Öffnungsschock kaum auszuhalten. Der gesamte Vorgang dauert drei bis vier Sekunden und kostet je nach Kappe 200 bis 300 Höhenmeter.
Das Dreiringsystem
Hauptschirm und Gurtzeug sind über drei ineinandergreifende Ringe unterschiedlicher Grösse verbunden. Der mechanische Vorteil ist so hoch, dass der Springer die Verbindung auch unter voller Last mit wenigen Kilogramm Zugkraft lösen kann. Diese Konstruktion ist der Grund, warum ein Cutaway – das Trennen einer defekten Hauptkappe – überhaupt zuverlässig funktioniert. Die Ringe und das darunterliegende Loop-System gehören zu den Teilen, die bei jeder Kontrolle angeschaut werden.
Was Einsteiger wirklich brauchen
Während der Ausbildung stellt der Betrieb die komplette Ausrüstung. Sinnvoll in Eigenbesitz sind früh nur drei Dinge:
- Höhenmesser – man gewöhnt sich an eine Anzeige und liest sie schneller ab.
- Helm mit akustischem Warner – Passform ist wichtiger als Marke.
- Brille – vor allem für Brillenträger, weil Überziehmodelle unterschiedlich gut sitzen.
Alles andere lohnt sich erst nach der Lizenz. Welche Kappengrösse dann passt, steht unter Fallschirme für Anfänger; welche Bauarten es gibt, erklärt Fallschirmtypen und ihre Vorteile. Preise stehen unter Kosten.
Pflege: was Material tatsächlich zerstört
- UV-Strahlung. Der grösste Feind. Eine Kappe, die nach jedem Sprung in der Sonne liegt, verliert innerhalb von Jahren spürbar Festigkeit. Nach dem Landen zusammenlegen und in den Schatten.
- Feuchtigkeit. Nasses Material niemals gepackt lagern. Eine nasse Kappe wird locker ausgelegt und im Schatten getrocknet, nie in der prallen Sonne und nie im Trockner.
- Salzwasser und Sand. Nach einer Wasser- oder Strandlandung gehört das System zum Fallschirmtechniker – Salzkristalle wirken in Gewebe und Metallteilen wie Schmirgel.
- Falsche Lagerung. Kühl, trocken, dunkel, nicht dauerhaft unter Spannung gepackt. Im heissen Auto hat kein Rig etwas verloren.
- Leinenverschleiss. Leinen längen sich unterschiedlich stark; ein Leinensatz ist Verschleissteil und wird nach einigen hundert Sprüngen getauscht.
Der Reserveschirm wird in festen Intervallen neu gepackt und geprüft, unabhängig davon, ob er benutzt wurde. Dieses Intervall ist keine Empfehlung, sondern Voraussetzung dafür, dass das System überhaupt sprungtauglich ist.
Elektronik am Springer
Neben dem Öffnungsautomaten sind zwei Geräte üblich: der analoge oder digitale Höhenmesser am Handgelenk und der akustische Warner im Helm, der bei frei programmierbaren Höhen piept – typischerweise bei der Öffnungshöhe und bei der Entscheidungshöhe. Kameras kommen erst deutlich später dazu und erfordern eine eigene Freigabe, weil sie Aerodynamik und Hängenbleib-Risiko verändern.
Häufige Fragen
Wie lange hält ein Fallschirm?
Ein Hauptschirm wird oft nach mehreren hundert bis über tausend Sprüngen ersetzt, abhängig von Material, Pflege und Einsatz. Massgeblich sind Zustand und Freigabe durch den Fallschirmtechniker, nicht die Sprungzahl allein.
Darf ich meinen Reserveschirm selbst packen?
Nein. Der Reserveschirm darf ausschliesslich von einem zugelassenen Fallschirmtechniker gepackt und geprüft werden. Den Hauptschirm packt der Springer nach Erwerb der Packberechtigung selbst.
Lohnt sich gebrauchte Ausrüstung?
Ja, wenn ein Fallschirmtechniker die Kombination freigibt. Zu prüfen sind Alter und Zustand der Reserve, Restlaufzeit des Öffnungsautomaten und ob Container und Kappen zusammenpassen.