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NachschlagenAktualisiert am 3. Aug. 2026·12 Min. Lesezeit

Skydiver-Lexikon: Fachbegriffe des Fallschirmsports von A bis Z

Von AAD bis Zielspringen: die Begriffe, die am Sprungplatz selbstverständlich benutzt werden – kurz erklärt und mit den passenden Beiträgen verknüpft.

A

AAD (Automatic Activation Device)
Öffnungsautomat für den Reserveschirm. Ein Rechner misst Höhe und Sinkgeschwindigkeit und kappt die Verschlussschlaufe des Reservecontainers, wenn der Springer unterhalb einer Sicherheitshöhe noch zu schnell fällt. Verbreitete Systeme sind Cypres, Vigil und Argus. Details im Beitrag automatisches Öffnungssystem.
Absetzen
Die Phase des Sprungbetriebs, in der die Springer das Flugzeug verlassen. Der Pilot drosselt die Geschwindigkeit, die Tür geht auf, die Gruppen stellen sich in der vorbesprochenen Reihenfolge an und springen mit Abstand ab.
AFF (Accelerated Free Fall)
Ausbildungsmethode, bei der bereits der erste Sprung aus voller Höhe im freien Fall stattfindet - begleitet von ein bis zwei Lehrern, die den Schüler festhalten. Der Schüler öffnet selbst. Siehe Ausbildung.
Aufziehleine
Statische Leine, die im Flugzeug eingehakt wird und den Hauptschirm beim Absprung automatisch öffnet. Grundlage der klassischen Automatikausbildung.
Aussenlandung
Jede Landung ausserhalb des vorgesehenen Landefeldes. Kein Drama, aber ein Fall für Landeplanung: Hindernisse, Windrichtung und ein sauberer Endanflug zählen mehr als der Ort.
Automatikausbildung
Ausbildungsweg, bei dem die ersten Sprünge an der Aufziehleine erfolgen und die Freifallzeit Sprung für Sprung verlängert wird. Günstiger pro Sprung als AFF, dafür mehr Sprünge bis zur Lizenz.

B

BASE-Springen
Absprünge von festen Objekten: Buildings, Antennas, Spans (Brücken), Earth (Klippen). Ein einziger, schnell öffnender Schirm, keine Reserve, Absprunghöhen oft unter 300 Metern. Vergleich unter BASE-Jumping vs. Fallschirmspringen.
Bauchfliegen
Bauchlage im freien Fall, die klassische Grundposition. Sinkgeschwindigkeit rund 190 bis 200 km/h. Siehe Freifall-Technik.
BOC (Bottom of Container)
Auslöseart, bei der der Hilfsschirm in einer Tasche an der Unterseite des Containers steckt. Heute der Standard bei Sportausrüstung.
Boogie
Mehrtägige Sprungveranstaltung mit grossem Flugzeug, Gastlehrern und Organisatoren. Für viele Springer der Höhepunkt der Saison.
Bremsleinen
Steuerleinen, die die Hinterkante der Kappe nach unten ziehen. Über sie werden Kurven geflogen und am Ende die Landung abgefangen.
Bridle
Verbindungsleine zwischen Hilfsschirm und Innencontainer. Sie zieht den Packsack aus dem Container.

C

Container
Das Rückenteil des Gurtzeugs, in dem Haupt- und Reserveschirm getrennt verpackt sind. Umgangssprachlich meint "Rig" das Gesamtsystem aus Gurtzeug, Container und beiden Kappen.
Crossbraced
Kappenbauweise mit zusätzlichen Querverstrebungen in den Zellen. Ergibt ein sauberes Profil und sehr hohe Leistung - ausschliesslich etwas für erfahrene Springer.
CRW / Canopy Formation
Kappenformationsspringen: Die Springer öffnen früh und bauen mit den geöffneten Schirmen Formationen. Eigene Wettkampfdisziplin mit eigener Ausrüstung.
Cutaway
Das Trennen des Hauptschirms bei einer Fehlfunktion. Der rote Trenngriff löst die Dreiring-Verbindung, danach folgt der Reservegriff.
Cypres
Cybernetic Parachute Release System, seit 1991 auf dem Markt und der Namensgeber der ganzen Gerätegattung. Löst den Reserveschirm typischerweise bei rund 225 Metern über Grund aus, wenn die Sinkgeschwindigkeit noch über etwa 35 m/s liegt.

D

Dirt Dive
Trockenübung am Boden: Die Gruppe läuft den geplanten Sprung Schritt für Schritt durch, oft auf Rollbrettern (Creepers), bis jeder Griff sitzt.
Dreiringsystem
Verbindung zwischen Hauptschirm und Gurtzeug aus drei ineinandergreifenden Ringen. Der Kraftvorteil ist so gross, dass sich der Schirm auch unter voller Last mit wenig Kraft trennen lässt.
Drogue
Bremsschirm am Tandemsystem. Er hält die Sinkgeschwindigkeit des schweren Doppelgespanns auf normalem Niveau und dient gleichzeitig als Auslöser für den Hauptschirm.
Dropzone (DZ)
Der Sprungplatz: Flugplatz, Sprungbetrieb, Landefeld und Packhalle. Siehe Sprungplätze.

E

Exit
Der Absprung selbst. Die Exit-Reihenfolge richtet sich nach Fallgeschwindigkeit und Öffnungshöhe der Gruppen, damit sich niemand in der Luft in die Quere kommt.
Exit-Höhe
Absetzhöhe. Üblich sind 3.000 bis 4.200 Meter über Grund; daraus ergeben sich rund 35 bis 60 Sekunden freier Fall.
Erstabsprung
Der erste eigene Sprung in der Ausbildung, je nach Methode an der Aufziehleine oder als AFF-Sprung mit Lehrern. Nicht zu verwechseln mit dem Tandemsprung.

F

FAI
Fédération Aéronautique Internationale, der Weltluftsportverband mit Sitz in Lausanne. Ihre Fachkommission für den Fallschirmsport ist die IPC.
Flare
Das Abfangen kurz vor dem Boden: Beide Steuerleinen werden gleichmässig durchgezogen, die Kappe wandelt Vorwärtsfahrt in Auftrieb und der Springer setzt weich auf.
Formationsspringen (RW)
Bauchflug-Disziplin, in der Gruppen im freien Fall vorgegebene Figuren bauen. Gesprungen wird im Vierer-, Achter- und Grossformationsformat.
Freefly
Sammelbegriff für alle Positionen ausserhalb der Bauchlage: Sitzen, Stehen, Kopf-tief. Die Fallgeschwindigkeiten liegen bei 250 bis über 300 km/h.
Freibag
Der Packsack des Reserveschirms. Er löst sich nach der Öffnung von der Kappe und fällt getrennt zu Boden.

G

Gleitzahl
Verhältnis von zurückgelegter Strecke zu verlorener Höhe. Eine moderne Sportkappe schafft etwa 2,5:1 bis 3:1, fliegt also rund drei Meter vorwärts pro Meter Höhenverlust.
Gurtzeug
Das Tragesystem am Körper: Haupt- und Beingurte, Brustgurt, Tragegurte und die Aufnahme für den Container. Muss auf Körpergrösse und Gewicht passen.
Grip
Definierter Griff an Arm oder Bein eines anderen Springers, mit dem Formationen zusammengehalten werden.

H

Hand-Deploy
Öffnungsart, bei der der Springer den Hilfsschirm selbst in den Luftstrom wirft. Standard bei Sportausrüstung.
Hilfsschirm (Pilot Chute)
Kleiner Schirm, der den Hauptschirm aus dem Container zieht. Kollabierende Varianten reduzieren nach der Öffnung den Widerstand.
Höhenmesser
Anzeige der Höhe über Grund, analog am Handgelenk oder digital. Dazu kommen akustische Höhenwarner im Helm, die Öffnungs- und Hartdeckhöhe melden.
Hop and Pop
Absprung mit sofortiger Öffnung aus niedriger Höhe. Teil der Ausbildung und Pflichtübung für die Lizenz.

I

IPC
International Parachuting Commission, die Fallschirmkommission der FAI. Sie schreibt die Wettkampfregeln und veröffentlicht seit Jahrzehnten Sicherheitsauswertungen - eine davon lag früher unter dieser Domain, siehe Sicherheit.
Indoor-Skydiving
Freifall im vertikalen Windkanal. Kein Ersatz für den Sprung, aber das beste Training für Körperlage und Stabilität. Siehe Indoor-Skydiving.

K

Kappe
Der eigentliche Schirm. Moderne Flächenschirme (Ram-Air) bestehen aus sieben oder neun luftgefüllten Zellen und fliegen wie ein Tragflügel. Siehe Fallschirmtypen.
Kappenkontrolle
Der Blick nach oben unmittelbar nach der Öffnung: Ist die Kappe vollständig offen, rechteckig, steuerbar? Erst danach folgt alles andere.
Kompatibilität
Container, Haupt- und Reserveschirm müssen in Grösse und Zulassung zusammenpassen. Prüft der Fallschirmtechniker (Rigger), nicht der Springer.

L

Landeeinteilung
Der geplante Anflug auf das Landefeld: Gegenanflug, Queranflug, Endanflug gegen den Wind - die gleiche Logik wie bei Flugzeugen.
Lizenz
Nachweis der Sprungberechtigung. International sind die Stufen A bis D üblich, in Österreich regelt die Zivilluftfahrt-Personalverordnung den Fallschirmspringerschein. Siehe Lizenz.
Line Twists
Verdrehte Leinen nach der Öffnung. Bei stabiler Kappe kein Notfall: durch Grätschen und Gegendrehen lösen sie sich meist wieder.

M

Main
Der Hauptschirm, im Gegensatz zur Reserve. Wird vom Springer selbst gepackt, sobald er die Packberechtigung hat.
Malfunction
Fehlfunktion der Kappe. Unterschieden wird zwischen Totalversagern (nichts öffnet sich) und Teilversagern (Kappe offen, aber nicht steuerbar oder nicht landbar).

N

Nachprüfung
Wiederkehrende Prüfung der Ausrüstung durch einen zugelassenen Fallschirmtechniker. Der Reserveschirm muss regelmässig neu gepackt und geprüft werden.
Nullwind-Landung
Landung ohne Gegenwind. Die Kappe kommt mit voller Vorwärtsfahrt an, das Abfangen muss zeitlich sitzen.

O

Öffnungshöhe
Die Höhe, in der der Hauptschirm gezogen wird. Übliche Werte liegen zwischen 1.200 und 1.700 Metern über Grund, bei Tandemsprüngen eher am oberen Ende.
Overshoot
Über das Landefeld hinausgeschossen. Ursache ist fast immer eine zu spät begonnene Landeeinteilung oder falsch eingeschätzter Rückenwind.

P

Packen
Das Falten und Verstauen des Hauptschirms. Nach kurzer Einweisung packt jeder Springer seinen Hauptschirm selbst; die Reserve darf nur ein Fallschirmtechniker packen.
Pin Check
Gegenseitige Sichtkontrolle vor dem Einsteigen: Verschlussstifte, Griffe, Gurte, AAD. Gehört zum Sicherheitscheck.
Progression
Der Ausbildungsfortschritt in festgelegten Stufen - jede Stufe hat definierte Lernziele, die vor dem nächsten Sprung sitzen müssen.

R

Reserveschirm
Der zweite, unabhängig verpackte Schirm. Er wird ausschliesslich von einem geprüften Fallschirmtechniker gepackt und in festen Intervallen kontrolliert.
Rigger
Fallschirmtechniker. Prüft, repariert und packt Reserveschirme und stellt die Kompatibilität der Komponenten sicher.
RSL (Reserve Static Line)
Verbindung zwischen dem sich trennenden Hauptschirm und dem Reserveauslöser. Der wegfliegende Hauptschirm zieht die Reserve automatisch.
Rundkappe
Der klassische Fallschirm ohne Profil. Er bremst nur, statt zu fliegen, und ist im Sportbereich vollständig durch Flächenschirme ersetzt worden.

S

Sinkgeschwindigkeit
Im Bauchflug rund 190 bis 200 km/h, in Kopf-tief-Lage 250 bis über 300 km/h. Unter offener Kappe bleiben etwa 4 bis 6 m/s.
Slider
Rechteckiges Stoffteil, das an den Leinen entlanggleitet und die Öffnung der Kappe verzögert. Ohne Slider wäre der Öffnungsschock kaum auszuhalten.
Sprungbetrieb
Der laufende Flugbetrieb am Sprungplatz: Manifest, Ladeeinteilung, Absetzhöhe, Windverhältnisse und die Reihenfolge der Lifts.
Swoop
Landeanflug mit gezielter Beschleunigung über eine Kurve, um lange, flach über dem Boden zu gleiten. Wettkampfdisziplin mit sehr hoher Anforderung und entsprechendem Risiko.

T

Tandemsprung
Sprung zu zweit an einem gemeinsamen System: Der Tandemmaster trägt Ausrüstung und Verantwortung, der Gast ist vorne eingehängt. Der übliche Einstieg in den Sport - siehe Tandemsprung.
Tandemmaster
Sprunglehrer mit gesonderter Tandemberechtigung. Vorausgesetzt werden mehrere hundert Sprünge Erfahrung, eine eigene Ausbildung und regelmässige Nachschulung.
Terminal
Die Endgeschwindigkeit, bei der Luftwiderstand und Schwerkraft sich ausgleichen. Sie ist nach etwa zehn bis zwölf Sekunden freiem Fall erreicht.
Tracking
Flache, gestreckte Körperlage mit hoher horizontaler Geschwindigkeit. Wird am Ende jedes Gruppensprungs geflogen, um vor der Öffnung Abstand zu schaffen.

W

Wingloading
Flächenbelastung: Ausstiegsgewicht in Pfund geteilt durch Kappenfläche in Quadratfuss. Einsteiger fliegen unter 1,0 - siehe Fallschirme für Anfänger.
Wingsuit
Anzug mit Tragflächen zwischen Armen und Beinen. Verwandelt einen Teil des Sinkens in Vorwärtsflug; Gleitzahlen von 2:1 und mehr sind erreichbar.
Windkanal
Vertikaler Freifallsimulator. Eine Minute Kanal entspricht ungefähr der Freifallzeit eines kompletten Sprunges - deshalb das effizienteste Trainingsmittel überhaupt.

Z

Zielspringen
Älteste Wettkampfdisziplin: Der Springer landet auf einer elektronischen Messscheibe, gewertet wird der Abstand des ersten Bodenkontakts in Zentimetern.
Zellen
Die einzelnen Kammern eines Flächenschirms. Sieben Zellen gelten als gutmütig und robust, neun Zellen fliegen effizienter und schneller.

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