Was BASE bedeutet
BASE ist ein Akronym für die vier Objektarten, von denen gesprungen wird: Buildings (Gebäude), Antennas (Antennenmasten), Spans (Brücken) und Earth (Klippen und Felswände). Der Begriff entstand Anfang der 1980er-Jahre im Umfeld des US-Amerikaners Carl Boenish, der die Sprünge filmisch dokumentierte und das Nummernsystem für Springer einführte, die alle vier Kategorien absolviert haben.
Der entscheidende Unterschied: Höhe und Zeit
Ein Sportspringer verlässt das Flugzeug in 4.000 Metern und hat rund 60 Sekunden, bis er öffnen muss. Ein BASE-Jumper springt häufig von 100 bis 300 Metern – ihm bleiben zwei bis fünf Sekunden. In dieser Zeit muss er stabil vom Objekt wegkommen, die Kappe öffnen und sie sofort steuern, weil die Felswand oder der Mast unmittelbar hinter ihm ist.
Beim Fallschirmspringen ist Höhe der Puffer, der Fehler korrigierbar macht. Beim BASE-Springen gibt es diesen Puffer nicht. Deshalb lassen sich die beiden Sportarten in ihrem Risiko nicht vergleichen.
Ausrüstung im Vergleich
| Fallschirmspringen | BASE-Jumping | |
|---|---|---|
| Anzahl Schirme | zwei (Haupt- und Reserveschirm) | einer |
| Reserve | Pflicht, vom Techniker gepackt | keine – die Höhe würde nicht reichen |
| Öffnungsautomat | Standard, oft Pflicht | nicht sinnvoll einsetzbar |
| Kappe | auf Leistung und Landung ausgelegt | auf schnellste, richtungsstabile Öffnung ausgelegt |
| Öffnungsart | Hilfsschirm aus der Containertasche | Hilfsschirm in der Hand oder statische Leine |
| Öffnungsdauer | 3 bis 4 Sekunden, sliderverzögert | so schnell wie technisch möglich |
Wie ein Sportsystem aufgebaut ist, steht unter Ausrüstung; die Bauarten der Kappen erklärt Fallschirmtypen.
Was das für die Ausbildung heisst
Es gibt keinen direkten Einstieg ins BASE-Springen. Vorausgesetzt wird eine solide dreistellige Sprungzahl im Fallschirmsport – 200 Sprünge gelten als absolutes Minimum, verbreitet sind Empfehlungen deutlich darüber –, dazu Erfahrung mit präzisen Landungen und beherrschten Notverfahren. Erst danach folgt ein spezialisierter BASE-Kurs, meist an einer hohen Brücke mit grossem, freiem Landegelände.
Der reguläre Weg in den Sport läuft also zwingend über die Fallschirmausbildung und die Lizenz.
Wingsuits: die Verbindung zwischen beiden Welten
Ein Wingsuit hat Tragflächen zwischen Armen und Beinen und wandelt einen Teil der Sinkgeschwindigkeit in Vorwärtsflug um; Gleitzahlen von 2:1 und mehr sind erreichbar. Aus dem Flugzeug ist der Wingsuit eine anspruchsvolle, aber gut beherrschbare Disziplin mit eigener Einweisung und Mindestsprungzahl. In der Variante Proximity Flying entlang von Felswänden ist er dagegen eine der gefährlichsten Sportarten überhaupt.
Rechtslage
Sie unterscheidet sich stark nach Land und Objekt. Der entscheidende Punkt ist fast nie ein Verbot des Springens an sich, sondern das Betreten des Absprungobjekts: Brücken, Hochhäuser und Antennenmasten haben Eigentümer, und ohne deren Erlaubnis ist der Zugang unzulässig. Einige Orte sind ausdrücklich freigegeben und werden legal und organisiert besprungen, andere ausdrücklich gesperrt. Wer sich dafür interessiert, klärt die Lage für das konkrete Objekt – nicht pauschal für ein Land.
Die Zahlen
Für BASE gibt es keine belastbare Sprungstatistik, weil die Gesamtzahl der Sprünge nirgends erfasst wird. Was existiert, ist eine seit Jahrzehnten geführte Liste tödlicher Unfälle – und die ist im Verhältnis zur sehr kleinen Zahl aktiver Springer erschreckend lang. Für das Fallschirmspringen liegen dagegen jährliche Erhebungen vor, siehe Sicherheit. Die Grössenordnungen liegen nicht im gleichen Bereich.
Häufige Fragen
Ist BASE-Jumping verboten?
Das Springen selbst ist selten pauschal verboten. Unzulässig ist meist der Zugang zum Absprungobjekt ohne Erlaubnis des Eigentümers. Einige Objekte sind ausdrücklich freigegeben, andere gesperrt – die Lage gilt je Objekt, nicht je Land.
Wie viele Sprünge braucht man für BASE?
Als absolutes Minimum gelten rund 200 Fallschirmsprünge, in der Praxis werden deutlich höhere Zahlen empfohlen – zusammen mit nachgewiesener Präzision bei Landungen und beherrschten Notverfahren.
Warum hat ein BASE-Springer keinen Reserveschirm?
Weil die Höhe für einen zweiten Öffnungsvorgang nicht reicht. Bei zwei bis fünf Sekunden Fallzeit gäbe es keinen Moment, in dem eine Reserve noch wirken könnte.