Bei einem Tandemsprung sind zwei Menschen an einem gemeinsamen Fallschirmsystem eingehängt. Der Tandemmaster trägt Container, Haupt- und Reserveschirm und ist für Absprung, Freifall, Öffnung und Landung verantwortlich. Der Gast hängt vorne in einem Passagiergurtzeug und muss nichts können ausser zuhören und die Körperhaltung halten.
Genau das macht den Sprung zum sinnvollsten Einstieg: Man erlebt den freien Fall in voller Länge, ohne vorher 20 Stunden Theorie und mehrere hundert Euro in eine Ausbildung investiert zu haben. Wer danach weitermachen will, findet den nächsten Schritt unter Ausbildung und Lizenz.
Die drei Fragen, die vor jedem ersten Sprung kommen
Wie läuft das ab?
Anmeldung, Briefing, Gurtzeug anlegen, Steigflug, Absprung, 40 bis 60 Sekunden freier Fall, fünf bis sieben Minuten unter der Kappe, Landung. Insgesamt sollte man einen halben Tag einplanen, weil der Sprungbetrieb wetter- und auslastungsabhängig ist. Den kompletten Ablauf mit Zeiten beschreibt der Beitrag Was passiert bei einem Tandemsprung?
Was kostet das?
Der Sprung selbst liegt im deutschsprachigen Raum meist im Bereich von etwa 250 bis 350 Euro, dazu kommen optional Foto- und Videopakete. Welche Posten dahinterstecken und wo Preisunterschiede herkommen, steht unter Was kostet ein Fallschirmsprung?
Darf ich das überhaupt?
Die üblichen Grenzen sind Mindestalter, Körpergewicht und gesundheitliche Eignung. Sie sind keine Schikane, sondern ergeben sich aus der Zulassung der Tandemsysteme.
Voraussetzungen im Überblick
| Kriterium | Übliche Regelung | Warum |
|---|---|---|
| Mindestalter | meist 14 bis 16 Jahre, unter 18 mit Einverständnis der Erziehungsberechtigten | Vorgabe des jeweiligen Betreibers und der nationalen Regelung |
| Höchstgewicht | oft 90 bis 100 kg, je nach System und Tandemmaster | Zulassungsgrenze des Tandemsystems, Landegeschwindigkeit steigt mit dem Gewicht |
| Körpergrösse | Verhältnis zum Tandemmaster muss passen | Beide hängen an einem Gurtzeug, die Landeposition muss funktionieren |
| Gesundheit | keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen, keine frischen Verletzungen an Schultern, Rücken, Knien | Öffnungsschock und Landung belasten Gelenke kurzzeitig deutlich |
| Alkohol | absolutes Tabu, auch am Vorabend in Mengen | Reaktionsvermögen und Kreislauf |
Die genauen Grenzen legt jeder Sprungbetrieb selbst fest. Vor der Buchung nachfragen ist immer besser, als am Sprungtag abgewiesen zu werden.
Was der Tandemmaster mitbringt
Eine Tandemberechtigung bekommt man nicht nebenbei. Vorausgesetzt werden mehrere hundert eigene Sprünge, eine Lizenz auf höherem Niveau, eine eigene Tandemausbildung mit Prüfungssprüngen und regelmässige Nachschulungen. Das Tandemsystem selbst ist ein separat zugelassenes Gerät mit eigener Wartungsvorschrift – kein Sportsystem, an das ein zweites Gurtzeug geschnallt wird.
Was am Tandemsystem anders ist
- Grössere Kappe. Zwei Personen brauchen deutlich mehr Fläche, damit die Sinkrate bei der Landung im Griff bleibt.
- Bremsschirm (Drogue). Er wird kurz nach dem Absprung geworfen und hält die Fallgeschwindigkeit des schweren Gespanns auf normalem Niveau. Ohne ihn wäre der Öffnungsschock zu heftig.
- Öffnungsautomat ist Pflicht. Der AAD löst die Reserve aus, falls der Tandemmaster ausfällt.
- Höhere Öffnungshöhe. Tandems öffnen typischerweise höher als Sportspringer, weil mehr Zeit für Kontrolle und Landeeinteilung bleiben soll.
Tandemsprung oder gleich Ausbildung?
Wer schon weiss, dass er den Sport betreiben will, kann den Tandemsprung überspringen und direkt in die Ausbildung einsteigen – die meisten Sprungbetriebe empfehlen trotzdem einen Tandemsprung vorher, weil der erste Eindruck von Fahrtwind und Höhe dann nicht mehr in einer Prüfungssituation passiert. Rechnerisch ist ein Tandemsprung teurer als ein einzelner Ausbildungssprung, aber er erspart einem im Zweifel eine ganze Kursgebühr.
Häufige Fragen
Wie hoch geht ein Tandemsprung?
Üblich sind 3.000 bis 4.200 Meter über Grund. Aus 4.000 Metern ergeben sich rund 60 Sekunden freier Fall, aus 3.000 Metern etwa 35 bis 40 Sekunden.
Ist ein Tandemsprung bei Höhenangst möglich?
In der Regel ja. Höhenangst entsteht durch den Bezug zum Boden über Kanten, Geländer oder Gebäude – aus 4.000 Metern fehlt dieser Bezug fast vollständig. Unangenehmer als der Absprung ist für viele der offene Türbereich beim Anflug.
Muss ich beim Tandemsprung selbst etwas ziehen?
Nein. Manche Tandemmaster lassen den Gast auf Wunsch den Auslösegriff bedienen, verantwortlich bleibt aber immer der Lehrer. Verpflichtend ist nur die Körperhaltung: Hohlkreuz, Kopf nach hinten, Beine angewinkelt.
Wie laut ist der freie Fall?
Sehr laut – bei rund 200 km/h rauscht der Fahrtwind so stark, dass eine Unterhaltung unmöglich ist. Unter der geöffneten Kappe wird es dagegen fast still, dort kann man sich normal unterhalten.