Warum der freie Fall sich nicht wie Fallen anfühlt
Nach dem Absprung beschleunigt der Körper – aber nicht unbegrenzt. Der Luftwiderstand wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit, bis er die Schwerkraft ausgleicht. Ab diesem Punkt bleibt die Geschwindigkeit konstant, und genau das ist der Grund, warum sich der freie Fall nach wenigen Sekunden nicht mehr wie Fallen anfühlt, sondern wie Liegen auf einem sehr kräftigen Luftstrom.
| Körperlage | Typische Geschwindigkeit | Anwendung |
|---|---|---|
| Bauchlage (Box-Position) | ca. 190–200 km/h | Ausbildung, Formationsspringen |
| Sitzposition | ca. 230–260 km/h | Freefly-Einstieg |
| Kopf-tief (Head Down) | ca. 280–320 km/h | Freefly, vertikale Formationen |
| Tracking (gestreckt) | hohe horizontale Komponente | Abstand schaffen vor der Öffnung |
Die Endgeschwindigkeit ist nach etwa zehn bis zwölf Sekunden erreicht. In dieser ersten Phase wirkt die Beschleunigung tatsächlich spürbar; danach ändert sich das Empfinden grundlegend.
Die Box-Position
Die Grundhaltung der Ausbildung: Bauch zum Boden, Hüfte nach vorn gedrückt (Hohlkreuz), Arme etwa im rechten Winkel erhoben, Beine leicht gespreizt und in den Knien angewinkelt. Der Körper bildet dabei eine leicht gewölbte Fläche, deren tiefster Punkt die Hüfte ist – das macht die Lage von selbst stabil. Wer die Hüfte zurücknimmt und einen Bogen nach oben bildet, verliert diese Selbststabilisierung sofort.
Fast alle Stabilitätsprobleme von Anfängern haben dieselbe Ursache: zu wenig Hohlkreuz und zu viel Spannung in den Schultern. Nicht mehr Kraft hilft, sondern weniger.
Steuern im freien Fall
- Drehen. Ein Arm wird leicht angezogen, der andere gestreckt – oder beide Unterarme werden gegeneinander verdreht. Die Drehung setzt verzögert ein und muss aktiv wieder gestoppt werden, sonst dreht man über das Ziel hinaus.
- Vorwärts und rückwärts. Beine strecken schiebt vorwärts, Beine anziehen und Arme strecken bremst beziehungsweise bewegt rückwärts.
- Schneller und langsamer fallen. Mehr Fläche zeigen (Arme und Beine weiter auseinander, Hohlkreuz verstärken) bedeutet langsamer, kompakter werden bedeutet schneller. Bei Formationssprüngen ist das die wichtigste Fertigkeit, um auf einer Ebene zu bleiben.
- Tracking. Arme an den Körper, Beine gestreckt, Schultern leicht nach vorn – der Körper wird zum Deltaflügel und legt pro Sekunde mehrere Meter horizontal zurück. Jeder Gruppensprung endet damit, damit sich niemand in der Öffnungsphase zu nahe kommt.
Höhenkontrolle als Reflex
Die wichtigste Gewohnheit ist der regelmässige Blick auf den Höhenmesser – idealerweise alle paar Sekunden und nicht erst, wenn der akustische Warner meldet. Fest definiert sind zwei Höhen: die geplante Öffnungshöhe und die Entscheidungshöhe, unterhalb derer kein Problem mehr analysiert, sondern nur noch die Reserve gezogen wird. Wie der Öffnungsautomat als letzte Instanz dahinter arbeitet, steht unter automatisches Öffnungssystem.
Die Disziplinen im Überblick
- Formationsspringen (RW). Bauchflug in der Gruppe, es werden vorgegebene Figuren gebaut. Wettkämpfe im Vierer- und Achterformat, dazu Grossformationen.
- Freefly. Sitzen, Stehen, Kopf-tief. Höhere Geschwindigkeiten, anspruchsvollere Ausrüstung, weil Griffe und Verschlüsse anderen Kräften ausgesetzt sind.
- Freestyle. Akrobatik im freien Fall, meist mit Kameraspringer als Team.
- Kappenformationsspringen (CRW). Früh öffnen und mit den Schirmen Formationen bauen – eine eigene Welt mit eigener Ausrüstung.
- Zielspringen. Die älteste Wettkampfdisziplin: Landung auf einer elektronischen Messscheibe, gewertet wird in Zentimetern.
- Swoop. Beschleunigter Landeanflug über eine Kurve, sehr hohe Anforderungen und entsprechendes Risiko.
- Wingsuit. Anzug mit Tragflächen, der einen Teil des Sinkens in Vorwärtsflug umsetzt.
Warum der Windkanal so viel bringt
Eine Minute Windkanal entspricht ungefähr der Freifallzeit eines kompletten Sprunges – ohne Steigflug, ohne Packen, ohne Wetter. Für Körperlage und Stabilität ist das das effizienteste Trainingsmittel, das es gibt. Was er nicht trainiert: Absprung, Höhenkontrolle, Öffnung und Landung. Mehr dazu unter Indoor-Skydiving.
Wie lange dauert der freie Fall?
Als Faustregel: Die ersten 300 Meter kosten rund zehn Sekunden (Beschleunigungsphase), danach etwa 300 Meter alle fünf bis sechs Sekunden. Aus 4.000 Metern mit Öffnung bei 1.500 Metern ergibt das rund 60 Sekunden, aus 3.000 Metern etwa 35 bis 40.
Häufige Fragen
Wie schnell fällt man beim Fallschirmspringen?
In der Bauchlage rund 190 bis 200 km/h. In der Kopf-tief-Position werden 280 bis über 300 km/h erreicht. Unter der geöffneten Kappe bleiben etwa 4 bis 6 Meter pro Sekunde.
Kann man im freien Fall atmen?
Ja, völlig normal. Der Fahrtwind fühlt sich ungewohnt an, behindert die Atmung aber nicht. Wer den Mund weit öffnet, bekommt lediglich einen trockenen Rachen.
Warum dreht man sich ungewollt?
Fast immer wegen Asymmetrie: ein Arm tiefer als der andere, ein Bein weiter gestreckt, angespannte Schultern. Die Korrektur besteht meist darin, bewusst locker zu lassen statt gegenzusteuern.