Rundkappe: nur noch Sonderfall
Die klassische Rundkappe erzeugt Widerstand, aber kaum Auftrieb. Sie sinkt mit hoher Rate praktisch senkrecht, lässt sich nur begrenzt steuern und landet entsprechend hart. Im Sportbereich ist sie vollständig verschwunden; erhalten hat sie sich in militärischen Absetzverfahren mit sehr vielen Springern und bei einzelnen Rettungssystemen. Wer sie noch im Museum sieht, erkennt sofort, warum Präzisionslandungen früher eine echte Disziplin waren.
Flächenschirm (Ram-Air): der Standard
Moderne Kappen bestehen aus zwei Stofflagen, die durch Rippen zu Zellen verbunden sind. Vorne offen, füllen sich diese Zellen mit Staudruck und bilden ein Flügelprofil. Das Ergebnis ist ein steuerbarer Gleiter mit einer Gleitzahl von etwa 2,5:1 bis 3:1 – rund drei Meter vorwärts pro Meter Höhenverlust.
- Sieben Zellen. Gutmütig, kompakt gepackt, öffnet zuverlässig, verzeiht Fehler. Standard bei Reserveschirmen und bei robusten Einsteigerkappen.
- Neun Zellen. Sauberes Profil, bessere Gleitleistung, kräftigeres Abfangen bei der Landung. Die übliche Bauform für Sport-Hauptschirme.
Rechteckig, konisch, elliptisch
| Grundriss | Verhalten | Für wen |
|---|---|---|
| Rechteckig | träge Steuerreaktion, sehr stabil, gutmütige Öffnung | Schulung und erste eigene Kappe |
| Leicht konisch | etwas direkter, immer noch fehlerverzeihend | Übergang nach der Lizenz |
| Elliptisch | schnelle, direkte Reaktion, drehfreudig, unruhigere Öffnung | erfahrene Springer mit dreistelliger Sprungzahl |
| Crossbraced | Höchstleistung, hohe Geschwindigkeit, sehr wenig Fehlertoleranz | Swoop- und Wettkampfbereich |
Der entscheidende Faktor ist nicht der Grundriss, sondern die Flächenbelastung. Eine elliptische Kappe mit moderater Belastung ist harmloser als eine rechteckige, die zu klein gewählt wurde – siehe Fallschirme für Anfänger.
Material
Zwei Gewebetypen dominieren. Luftdurchlässiges Material (bekannt unter der Bezeichnung F-111) öffnet weich und altert schneller; es wird vor allem bei Schulungs- und Reservekappen eingesetzt. Nullporöses Gewebe lässt praktisch keine Luft durch, hält die Leistung über die gesamte Lebensdauer und ist beim Packen sperriger – Standard bei Sportkappen.
Bei den Leinen bestimmt das Material die Alterung: dehnungsarme Leinen halten die Trimmung länger stabil, sind aber empfindlicher gegen Scheuern. Ein Leinensatz ist immer Verschleissteil.
Spezialkappen
- Tandemkappen. Deutlich grösser, ausgelegt auf das Gewicht zweier Personen und auf eine niedrige Landegeschwindigkeit. Dazu kommt der Bremsschirm des Systems – siehe Tandemsprung.
- CRW-Kappen. Für Kappenformationsflug ausgelegt: stabil, mit angepasster Trimmung und Schutz gegen Verhakungen.
- Reserveschirme. Auf zuverlässige Öffnung optimiert, nicht auf Leistung. Meist sieben Zellen, luftdurchlässiges Material, konservative Trimmung.
- BASE-Kappen. Auf extrem schnelle Öffnung aus geringer Höhe ausgelegt, mit ganz eigenen Packverfahren – siehe BASE-Jumping.
Welche Kappe passt zu welchem Zweck?
Für den Sprungbetrieb gilt eine einfache Reihenfolge: erst zuverlässige Öffnung, dann gutmütiges Flugverhalten, dann Leistung. Wer die Reihenfolge umdreht, kauft sich Probleme, die man in 800 Metern Höhe nicht mehr korrigieren kann. Der Rest der Ausrüstung – Container, Reserve, Öffnungsautomat – steht unter Ausrüstung.
Häufige Fragen
Was ist besser, sieben oder neun Zellen?
Sieben Zellen sind gutmütiger und packen kleiner, neun Zellen fliegen effizienter und fangen kräftiger ab. Für Reserveschirme und Schulung sind sieben Zellen üblich, für Sport-Hauptschirme neun.
Warum sind elliptische Kappen nichts für Anfänger?
Sie reagieren direkt und drehen sehr schnell weiter, als der Steuerimpuls vermuten lässt. Eine kleine Fehlbedienung im Endanflug hat dadurch grössere Folgen als bei einer rechteckigen Kappe.
Wie schnell landet man mit einem Flächenschirm?
Im normalen Anflug bleiben etwa 4 bis 6 Meter pro Sekunde Sinken übrig, die beim Abfangen fast vollständig abgebaut werden. Bei korrekter Landung setzt man kaum härter auf als bei einem Sprung von einer Bank.